Home Run

Autoren
Übersetzer
Bea Reiter
Verlag
Heyne Verlag

Zusammenfassung zu “Home Run”

Warren Tracey ist alles andere als ein vorbildlicher Vater. Er vernachlässigt Frau und Kinder für seine mäßig erfolgreiche Baseball-Karriere. Er trinkt zu viel, schlägt seine Ehefrau und auch seine Kinder leiden stark unter ihm. Keine schöne Lebenssituation, doch sie wird von allen ertragen bis Warren eines Tages bei einem seiner Baseball-Spiele auf Joe Castle trifft.

Joe Castle ist ein phänomenales Ausnahmetalent, welches nicht nur von Warrens Sohn Paul sondern von der ganzen Nation glühend verehrt wird. Zerfressen von Neid und anderen bitteren Gefühlen beschließt Warren Joe einen Denkzettel zu verpassen und wirft ihm als Pitcher einen Ball, der Joes Leben grundlegend verändert und seine erfolgsversprechende Karriere für immer beendet. Auch Pauls Leben wird nach diesem Ball nicht mehr das gleiche sein.

Jahre später erhält Paul die Nachricht, dass sein Vater tödlich an Krebs erkrankt ist. Daraufhin holt ihn die Vergangenheit ein und er beschließt sich auf den Weg zu Joe Castle zu machen. Obwohl er den Kontakt zu seinem Vater schon vor Jahren quasi völlig abgebrochen hat, möchte er ein Treffen zwischen Joe und seinem Vater arrangieren, um so wenigsten für sich mit den Fehlern seines Vaters abschließen zu können. Der Weg dorthin gibt ihm auch die Gelegenheit, seine Kindheit Revue passieren zu lassen.

Wichtige Charaktere

  • Paul Tracey
  • Warren Tracey
  • Joe Castle
  • Clarence Rook

Zitate

„Nach dem Anruf von Agnes sitze ich an meinem Schreibtisch und denke darüber nach, wie das Leben ohne Warren, meinen Vater, sein wird. ‚Warren‘ nenne ich ihn seit dem College, weil er immer eher eine Person, ein Fremder, war als mein Vater. Er hat nicht protestiert, ihm ist es immer egal gewesen, wie ich ihn anrede, und ich bin stets davon ausgegangen, dass es ihm am liebsten ist, wenn ich überhaupt nicht mit ihm rede. Gelegentlich versuche ich es trotzdem; er nicht.
Nach ein paar Minuten gestehe ich es mir ein. Das Leben ohne Warren wird genauso sein wie das Leben mit ihm.“

„Wir fuhren mit dem Zug nach Hause und wechselten während der gesamten Fahrt kein Wort. Daheim ging ich auf mein Zimmer und kroch ins Bett. Den Fernseher schaltete ich nicht ein, obwohl ich unbedingt wissen wollte, wie es Joe ging. Ich war fest entschlossen, nicht einzuschlafen, weil ich wissen musste, ob mein Vater in dieser Nacht nach Hause kam. Ich glaubte nicht, dass er kommen würde, und ich hatte recht. Kurz vor Mitternacht klingelte das Telefon, und meine Mutter nahm ab. Eine männliche Stimme drohte, Warren Tracey umzubringen und unser Haus niederzubrennen. Meine Mutter rief die Polizei, und um zwei Uhr morgens saß ich an unserem Küchentisch und unterhielt mich mit ihr und einem Polizeibeamten.
Es war der erste von vielen Drohanrufen. In den nächsten Monaten lebten wir in ständiger Angst, und natürlich war mein Vater nur selten zu Hause, um uns zu beschützen.
Ich war elf Jahre alt und wollte meinen Namen ändern.“

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Leseprobe (PDF) beim Verlag

Persönliche Bewertung

Ein interessanter Roman darüber, wie die Fehler der Eltern das Leben der Kinder beeinflussen und bestimmen können

4 von 5

Schon das Nachwort von „Home Run“ ist es wert, das Buch zu lesen. Ein „Crashkurs“ der Baseballregeln, welcher zumindest von Baseball-Laien unbedingt zuerst gelesen werden soll. Nicht nur, um das Buch überhaupt verstehen zu können, sondern auch um ein bisschen der amerikanischen Leidenschaft für Baseball mitzubekommen, die zwischen jeder Zeile des Romans zu spüren ist. Grisham ist vielleicht der einzige Autor der es schafft, den Leser schon mit einer Erklärung der Baseballregeln zu fesseln.

Der Baseballfanatismus ist dann aber vielleicht auch der einzige Kritikpunkt an „Home Run“. Für baseballunerfahrene Leser ist das Buch an der einen oder anderen Stelle doch etwas zu detailreich bezüglich der beschriebenen Spiele und der berühmten Spieler. Allerdings halten sich diese Beschreibungen im Rahmen, sodass sie im Gesamt-Lesefluss nicht wirklich stören.

Der Schreibstil ist typisch Grisham und passt hervorragend zu der nüchternen Atmosphäre der Geschichte und der manchmal schockierenden Abgeklärtheit des Protagonisten Paul. Die parallel beschriebenen Begebenheiten der Vergangenheit und Gegenwart halten die Spannung des Buches und verwirren kein bisschen, da Grisham die Erzählungen strikt getrennt in Präteritum und Präsens erzählt.

Grisham schafft es auch in diesem Roman wieder die Charaktere unglaublich authentisch und vielschichtig darzustellen. So kann man sich die ganze Zeit nicht entscheiden, wem das meiste Mitgefühl zu schenken ist. Dem Vater Warren, dessen Leben komplett gescheitert und nun zu Ende ist? Dem Star Joe Castle, dessen Karriere so jung, so abrupt und so unverschuldet beendet wurde? Oder doch dem Sohn Paul, der ein Leben lang unter den Fehlern seines Vaters litt und diesem nun in den letzten Lebensmonaten eine erschreckende Gleichgültigkeit entgegenbringt?

Fazit

„Home Run“ ist vielleicht kein typischer Grisham, lesenswert ist er aber trotzdem auf jeden Fall! Ganz von der vertrauten Linie rückt Grisham schließlich nicht ab, denn im Prinzip geht es auch in diesem Roman um die Frage, ob es eigentlich eine Gerechtigkeit im Leben gibt.

Originaltitel
Calico Joe
ISBN10
3453268350
ISBN13
9783453268357
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
272 Seiten