Das Sommerbuch

Autoren
Übersetzer
Birgitta Kicherer
Verlag
Bastei Lübbe
Anspruch
5 von 5
Humor
4 von 5
Lesespaß
5 von 5
Schreibstil
5 von 5
Spannung
4 von 5

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Zusammenfassung zu “Das Sommerbuch”

Sophia lebt den Sommer über mit ihrem Vater und ihrer Großmutter auf einer kleinen Schäreninsel. Das Leben ist einfach, zu anderen Kindern hat sie meist keinen Kontakt, und doch sind Sophias Tage angefüllt mit Abenteuern und phantasievollen Spielen, zu denen sie ihre Großmutter nicht nur ermuntert, sondern auch daran teilnimmt. Ob es der Besuch verschrobener Bekannter ist, der Ausflug zu einer benachbarten Insel, die neugebaute Villa auf einer Schäre weiter draußen oder die fixe Idee des Vaters, die Insel in einen Ziergarten zu verwandeln – immer gibt es etwas Neues zu entdecken, neue Einfälle oder Umstände, die der Gleichförmigkeit ihrer Tage entgegenwirken.

Zu ihrer Großmutter hat Sophia, deren Mutter nicht mehr lebt, eine ganz besondere Beziehung. Zwar sind sie sich nicht immer einig, und Sophia ist ein ums andere Mal nicht mit den Taten und Worten ihrer Großmutter einverstanden, doch gelingt es der älteren Dame immer wieder, ihre Enkelin aufzumuntern, ihr Lebensweisheiten mitzugeben und ihr abwechslungsreiche Tage zu bescheren, auf Augenhöhe und dennoch mit der sanften Anleitung der älteren erfahreneren Freundin. Die 22 Kapitel erzählen episodenhaft verschiedene Ereignisse und Abenteuer aus dem sommerlichen Inselleben, im Vorwort gibt Esther Freund ergänzend einen Überblick über die Einordnung der Geschichte in Tove Janssons Leben.

Wichtige Charaktere

  • das Mädchen Sophia
  • ihre Großmutter
  • Sophias Vater

Zitate

„Die Großmutter ging über den Felsen und dachte über Vögel im Allgemeinen nach. Keine anderen Tiere konnten so wie sie den Wechsel der Jahreszeiten und des Wetters spürbar machen und die Stimmungen im eigenen Innern dramatisch unterstreichen und vervollständigen. Sie dachte an Zugvögel und an den Gesang der Drossel an einem Sommerabend und an den Kuckuck, ja, auch an den Kuckuck, und an die großen, kalten Vögel, die segeln und spähen, und an die ganz kleinen, die im Spätsommer in hektischen Schwärmen kurz zu Besuch kommen, kugelrund, dumm und unerschrocken, und an die Schwalben, die nur das Haus, in dem man glücklich ist, beehren.“

„Sie fingen an, im Moortümpel zu bauen. Sie errichteten die Piazza San Marco auf Pfählen, indem sie viele kleine Holzpflöcke hineinsteckten und mit flachen Steinen bedeckten, sie zogen noch mehr Kanäle und bauten Brücken darüber. Die Waldameisen wanderten über die Brücken hin und her, und unter den Brücken glitten die Gondeln im Mondschein dahin. Sophie sammelte weißen Marmor am Ufer.
(…)
Die Großmutter setzte sich auf die Veranda, um einen Dogenpalast aus Balsaholz zu bauen. Als der Palast fertig war, bemalte sie ihn mit Wasserfarben und Gold. Sophia kam und schaute zu.
‚Hier‘, sagte die Großmutter, ‚wohnen eine Mama und ein Papa mit ihrem Kind. Hinter diesem Fenster. Das Kind hat gerade das Essgeschirr aus dem Fenster geworfen, und weil das Geschirr bloß aus Porzellan war, ist es auf der Piazza zu Bruch gegangen. Was die Mama wohl dazu gesagt hat?'“

Weitere Romane von Tove Jansson

Die Puppenstube
Die gefährliche Reise
Die ehrliche Betrügerin
Die Tochter des Bildhauers

Persönliche Bewertung

Ein Buch voller Weisheit, Glück und Leben

5 von 5

Tove Jansson erzählt in diesem Buch aus ihrem Leben, dies wird spätestens nach dem Vorwort klar. Doch auch wer dies überblättert oder es sich für den Schluss aufspart, erahnt die autobiographischen Anteile der Geschichte. Dass die Autorin den Großteil der erlebten Abenteuer, Gespräche und anderer Episoden selbst erlebt hat, mindert jedoch nicht im Geringsten deren Brillanz. Eine große Stärke Tove Janssons liegt in der lebensnahen Beschreibung von Stimmungen, meisterhaft fängt sie den besonderen Zauber des einfachen Insellebens ein. Eines Lebens, das aus heutiger Sicht erstaunlich schlicht wirkt, aber dennoch mindestens so reichhaltig und abwechslungsreich ist wie die Sommerferien moderner Kinder. Tove Jansson zeigt, welche Magie in den kleinen Dingen verborgen liegen, schenkt selbst der unbedeutendsten Pflanze Aufmerksamkeit und Respekt.

Gleichzeitig ist es die Geschichte um eine Beziehung zwischen Großmutter und Enkelin, die vom beiderseitigen Respekt geprägt ist. Zwar ist die Großmutter durchaus eine Art Autoritätsperson, sie begegnet ihrer Enkelin aber dennoch auf Augenhöhe, nimmt ihre Gedanken, Träume und Ängste ernst und stellt sich, soweit es geht, auf sie ein, nimmt an ihrer Welt teil. Dabei vermittelt sie ihrer Enkelin einige zeitlose Lebensweisheiten, die auch für heutige Leser wertvolle Gedankenanregungen darstellen. Doch auch Sophia überrascht durch ihre tiefgründigen Gedanken, wenn sie beispielsweise über den Regenwurm, seine Lebensumstände, die Grausamkeit des Angelns und das Leben eines geteilten Wurms philosophiert. Und dann ist da noch die beeindruckende Kreativität, die das Spiel zwischen Großmutter und Enkelin prägt. So bauen sie zum Beispiel Venedig mit Naturmaterialien nach und lassen im Sumpf die Lagunenstadt entstehen. Damit ist „Das Sommerbuch“ nicht nur eine perfekte Urlaubslektüre, sondern auch eine sinnvolle Anregung für alle Eltern und Großeltern, wie kreativ und gleichberechtigt der Umgang mit Kindern sein kann – und das unter sehr einfachen Umständen.

Fazit

Mit ihrer weisen Sommergeschichte entführt Tova Jansson ihre Leser in eine andere Welt und Zeit. In vielen kleinen Episoden lädt sie dazu ein, über Religion, das Leben und Sterben, die kleinen Freuden des Lebens, die Natur und so vieles mehr nachzudenken und beweist, dass man diese wunderbare Autorin auf keinen Fall – so brillant sie auch sind – auf die Mumins reduzieren darf.

Originaltitel
Sommarboken
ISBN10
3785724985
ISBN13
9783785724989
Dt. Erstveröffentlichung
2014 (1976)
Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 10 Jahren