Der Gefangene des Himmels

Autoren
Übersetzer
Peter Schwaar
Verlag
S. Fischer Verlag
Anspruch
5 von 5
Humor
3 von 5
Lesespaß
4 von 5
Schreibstil
4 von 5
Spannung
5 von 5

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Zusammenfassung zu “Der Gefangene des Himmels”

Barcelona, 1957. Daniel Sempere wohnt über der Buchhandlung seines Vaters zusammen mit seiner Frau Bea und dem gemeinsamen Sohn Julián. Der Besuch eines geheimnisvollen und bedrohlich wirkenden Fremden im Geschäft macht ihn misstrauisch. Der Besucher widmet eine wertvolle Ausgabe von Alexandre Dumas‘ Werk „Der Graf von Monte Christo“ Fermín Romero de Torres, Daniels Freund und Mitarbeiter im Buchladen. Außerdem nutzt der Fremde Fermíns Namen, um sich in einer Pension einzumieten. Daniel, der bemerkt, wie Fermín immer dünner, zurückgezogener und missmutiger wird, obwohl das freudige Ereignis seiner eigenen Hochzeit bevorsteht, versucht herauszufinden, was mit ihm los ist.

Fermín erzählt Daniel daraufhin von seiner Zeit als Häftling im Kastell von Barcelona, wo er unter anderem den Schriftsteller David Martín kennengelernt hat. Der strengen Führung des Gefängnisdirektors Mauricio Valls ausgesetzt, müssen die Insassen ein Leben unter menschenunwürdigen Bedingungen führen. Valls nutzt die schriftstellerischen Fähigkeiten David Martíns, der zunehmend geistig verwirrt wird, für seine eigene literarische Karriere, indem er ihm droht, seiner Freundin Isabella etwas anzutun. Nach und nach stellt sich damit heraus, dass Fermíns Erlebnisse auch für Daniels Geschichte von großer Bedeutung sind. Fermíns Erzählungen sowie zunehmendes Misstrauen Bea gegenüber lassen ihn zunehmend an seinem glücklichen Familienleben zweifeln.

Wichtige Charaktere

  • Daniel Sempere
  • Daniels Vater
  • Beatriz, Daniels Frau
  • Julián, Daniels Sohn
  • Fermín Romero de Torres
  • Bernarda
  • Dr. Sanhuja
  • David Martín
  • Sebastian Salgado
  • Mauricio Valls

Zitate

„‚Sie sollen wissen, dass ich Ihnen dankbar bin dafür, dass Sie mir die Wahrheit erzählt haben, und dass ich verstehe, warum Sie mir vor zwei Jahren nichts von alledem sagen wollten.‘
Er nickte schwach, aber etwas in seinem Blick gab mir zu verstehen, dass ihn meine Worte keineswegs trösteten. Ganz im Gegenteil. Eine Weile schwiegen wir.
‚Da ist noch mehr, nicht wahr?‘ fragte ich schließlich.
Er nickte.
‚Und was noch kommt, ist schlimmer?‘
Wieder nickte er.
‚Viel schlimmer.'“

„Fermín lächelte ihnen zu und bildete mit den Fingern das Siegeszeichen. Die Jungen schauten sich an. Einer sagte etwas, was er nicht verstehen konnte. Er überließ sich der Erschöpfung und sah zwischen den halbgeöffneten Lidern, dass man ihn zu viert vom Boden aufhob und neben einem Feuer auf eine Pritsche legte. Er spürte die Wärme auf der Haut und allmählich das Gefühl in seine Füße, Hände und Arme zurückkehren. Dann überflutete ihn langsam und unerbittlich der Schmerz. Um ihn herum flüsterten matte Frauenstimmen unverständliche Worte. Seine wenigen Lumpen wurden ihm ausgezogen. In warmes Kampferwasser getauchte Tücher liebkosten unendlich zart seinen gebrochenen nackten Körper. Als er die Hand einer Greisin auf der Stirn spürte, öffnete er die Augen einen Spaltbreit und sah ihren müden, weisen Blick in dem seinen.
‚Woher kommst du?‘ fragte die Frau, die Fermín in seinem Fieberwahn für seine Mutter hielt.
‚Von den Toten, Mutter‘, flüsterte er. ‚Ich bin von den Toten zurückgekehrt.'“

Alle Bücher um den „Friedhof der vergessenen Bücher“

1. Der Schatten des Windes
2. Das Spiel des Engels
3. Der Gefangene des Himmels
4. noch nicht erschienen

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Persönliche Bewertung

Geheimnisvoller und spannender dritter Band des Zyklus

4 von 5

Wer „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ gelesen hat, für den ist „Der Gefangene des Himmels“ ein Muss. Das Besondere an Carlos Ruiz Zafóns Barcelona-Romanen um den Friedhof der Vergessenen Bücher ist, dass sie alle für sich allein stehen, aber dennoch ein Erzähluniversum bilden und miteinander verknüpft sind. Sie müssen nicht, wie bei einer Trilogie, zwingend alle gelesen werden, um sie zu verstehen, doch ergeben sich interessante neue Erkenntnisse und Deutungsmöglichkeiten, wenn man alle Bände kennt. „Der Gefangene des Himmels“ bildet den dritten Teil, den vierten und letzten kann man mit Spannung erwarten.

Einige Personen, die schon in „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ auftauchten, spielen auch in „Der Gefangene des Himmels“ eine Rolle. Das betrifft besonders Daniel Sempere, Fermín Romero de Torres und David Martín, die der Leser auf diesem Wege aus einer neuen Perspektive betrachten kann. Damit erkennt man als Leser auch, wie sehr die Darstellung einer Geschichte vom Blickwinkel der erzählenden und erlebenden Person abhängt und dass es nicht unbedingt die eine, richtige Version einer Geschichte gibt.

Carlos Ruiz Zafóns Romane sind immer ein wenig düster und geheimnisvoll-gruselig. Besonders an den Gesprächen zwischen Daniel und Fermín merkt man als Leser aber auch, dass er durchaus das Talent zu witzigen Dialogen hat. Gerade diese Mischung macht seine Romane aus. Der Spannungsbogen ist sehr hoch, da die Geheimnisse nur langsam und bruchstückhaft enthüllt werden.

Fazit

Carlos Ruiz Zafón ist ein Könner des Geheimnisvollen. Seine Sprache und seine mysteriösen Geschichten ziehen viele Leser in den Bann, wie es schon der Erfolg von „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ gezeigt hat. „Der Gefangene des Himmels“ fasziniert gleichermaßen.

Originaltitel
El prisionero del cielo
ISBN10
3100954025
ISBN13
9783100954022
Dt. Erstveröffentlichung
2012
Gebundene Ausgabe
416 Seiten