Die Exekution

Autoren
Verlag
Eichborn Verlag
Anspruch
4 von 5
Humor
2 von 5
Lesespaß
4 von 5
Schreibstil
2 von 5
Spannung
4 von 5

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Zusammenfassung zu “Die Exekution”

Ein für tot erklärter RAF-Terrorist ermordet in Kanada seinen Schwiegersohn, als dieser gerade seinen Baumarkt eröffnet. Schmidt, so lautet die kanadische Identität des Mörders, gelingt die Flucht nach Deutschland. Seiner Frau flieht ebenfalls, jedoch mit einer weiteren Dame als Anhängsel. In Russland versucht Hauptmann Grigori Jalenko an eine Wohnung zu kommen, indem er Informationen weitergibt, die angeblich Regierungen erschüttern können. Der junge BKA-Computerexperte Renè Dörffler stösst im Zuge der Digitalisierung und Zentralisierung der bundesweiten Fingerabdruckdateien auf eine interessante Spur, die vermuten lässt, dass es sich es sich bei dem kanadischen Mörder um den Topterroristen Rolf Stürmer handelt, der eigentlich in Stammheim Selbstmord begangen haben sollte. Dörffler wird neugierig und will das Rätsel lösen. Und gleich erst einmal innerhalb des BKA`s versetzt. Doch es gelingt ihm, an weitere Informationen zu gelangen. In den Fokus seiner Nachforschungen gerät der ehemalige Chef des BKA`s Hans Hunold. Damit stößt Dörfller in ein Wespennest. Nichts war, wie es scheint. Alte Geschichten kochen hoch. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt – gilt es doch ein Vierteljahrhundert nach dem heißen Herbst einen weiteren Anschlag zu verhindern. Und wie eine Comicfigur irrt Schmidts Frau immer auf seiner Spur mit ihm und mysteriösen Dame mit durch Deutschland. Bis alle Logis in einem Moabiter Hochzeitshotel nehmen.

Zitate

„Schmidts Weltgeist kannte keine Begrenzungen der Zeit oder des Raumes. Der Weltgeist war überall gleich gut zu Hause – und auch nirgendwo. Es war das Surrogat der guten und schlechten Erlebnisse aller Genossen, die schon auf dieser Erde gewandelt waren – sicher verwahrt im virtuellen Tresor. Was hatte man auch sonst von all den Arschlöchern, die irgendwann einmal geglaubt hatten, die Welt verändern zu müssen? Schmidt glaubte nicht an Klassiker und nicht an Helden, er glaubte nur an Irrtümer. Aus Irrtümern ließ sich nämlich lernen. Deshalb hatten so viele sterben müssen: Weil sie dumm waren und weil sich nur aus Dummheit etwas gewinnen ließ.“

„Als die kleine Gesellschaft hereinstürmte, wußte der Nachtportier des Moabiter Hochzeitshotels am Spreebogen sofort, was die Stunde geschlagen hatte. Ein Kerl im viel zu weiten Angeberanzug von Boss und drei Weiber, eines aufgekratzter als das andere. Eine Südamerikanerin in einem unvorteilhaft kurzen Ledermini. Nuttenoutfit. Und das unvermeidliche Schulmädchen – ohne das ging`s heutzutage nicht mehr. Und eine hochaufgeschossene Ziege, die auf unterkühlt machte. Wahrscheinlich die Domina. Der Kerl im Boss-Anzug zog alle Register.“

„Zweitens fahren wir fort mit unserer Politik der stetigen Steigerung der Nachfrage. Das heißt, wir wollen den Leuten etwas Geld in den Taschen lassen, mit dem sie sich was dazukaufen können. So kurbeln sie die Wirtschaft an und sorgen dafür, daß die Konjunktur wieder ans Laufen kommt. So schaffen die Menschen die Arbeitsplätze, die unsere Staatskasse entlasten. Alles ganz einfach – auf den ersten Blick. Der Teufel steckt im Detail. Und die Details klärst du, Minister. Und laß deinen Staatssekretär, den grünen Langschläfer, auch mal zu Wort kommen, nicht wahr. Wir müssen zehn verschwinden. Paris wartet. Dazu nur ein Wort: Putin und der US-Präsident sind mit von der Partie. Wir zeigen uns deshalb zuversichtlich, daß auf dem Gipfel die Weichen gestellt werden. Global.“

Persönliche Bewertung

Der 'Heiße Herbst' und eine Menge Verschwörungstheorien

4 von 5

Wolfgang Brenner, im Jahr 2007 mit dem Berliner Krimipreis ‚Krimifuchs‘ für sein langjähriges Schaffen ausgezeichnet, legt hier einen rasanten, sehr deutschen Krimi vor, in dem Fiktion und Wirklichkeit auf das Interessanteste zusammentreffen. Es könnte damals in Stammheim alles so abgelaufen sein, wie Brenner es beschreibt – oder eben auch nicht. Fast noch interessanter sind die Ausführungen zum Verfahren der Zentralisierung und Digitalisierung der Fingerabdruckdatei (ein echtes Highligt des Buches) und die Überlegungen des ehemaligen BKA-Präsidenten Hans Hunold zur Verbrechensprävention. Ebenfalls faszinierend in der Darstellung, wie Politiker im heißen Herbst Menschenleben und Rechtsstaat versus Terrorismus abwägen – und tatsächlich zu einer Entscheidung kommen. Sehr überzeugend, und wohl auch realitätsnah geraten: die Beschreibung von Ministern und Staatssekretären in der Berliner Republik. Selbst die Gelüste alternder Männer nehmen in diesem Krimi breiten Raum ein, aber auch das Schicksal eines ehemaligen, wenig erfolgreichen KGB-Agenten findet noch ein Plätzchen. In der Summe packt Brenner viel zu viel Stoff auf einmal in dieses Buch. Und lässt es die ganze Geschichte dann auch noch sehr plakativ enden, dabei leider zunehmend unwahrscheinlicher werdend. Schade – hier wäre weniger wohl mehr gewesen.

Fazit

Der ‚Heiße Herbst‘ und eine Menge Verschwörungstheorien in einen mit Handlungssträngen überladenen Krimi verpackt, der unschön endet.

ISBN10
3821808306
ISBN13
9783821808307
Dt. Erstveröffentlichung
200
Gebundene Ausgabe
363 Seiten