Böse Weihnachten

Autoren
Verlag
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)

Zusammenfassung zu “Böse Weihnachten”

Die vierzehn Weihnachtsgeschichten in „Böse Weihnachten“ erzählen von Weihnachtsfesten jenseits der harmonischen Vorzeige-Idylle typischer Weihnachtsfilme und -bücher. Das Buch umfasst Geschichten bekannter Autoren, die eines gemeinsam haben: in ihnen erleben ihre Protagnisten problematische Feiertage. Da sind die Untermieter, allesamt traurige Gestalten, die gemeinsam den Weihnachtsabend verbringen, sich aber nicht so richtig gut verstehen; da ist der traumatisierte Patient, der seinem Doktor von seinen traumatischen Kindheitserlebnissen mit einem toten Weihnachtsmann erzählt; eine Frau hintergeht ihren Ehemann und ihre „perfekte“ Familie, woraufhin sich ihre beste Freundin die Situation zunutze macht und ihren Platz in der Familie einnimmt; ein Weihnachtsfan beschreibt, was man vor und an den Weihnachtstagen unbedingt machen müsse; eine Frau feiert das Fest in einem düsteren Haus mit ihrer Familie und spürt die düstere Atmosphäre, die ausgerechnet von der hilfsbereiten und bei allen beliebten Schwägerin ausgeht. Und dann ist da auch noch die reiche Familie, die gezwungen ist Flüchtlinge aufzunehmen und diese zum Fest der Liebe trotz einer hochschwangeren Frau aus dem Haus grault.

Zitate

„Wenn es bei mir nur auch so wäre, dachte Sarah zynisch. Wenn doch mein Zustand nur auch auf Hysterie zurückzuführen wäre und nicht auf lose Sitten, wenn doch ich bloß keine Wahl hätte, wenn ich bloß nicht fünfunddreißig Jahre als und sieben Wochen schwanger wäre. Ich kann mir Schöneres vorstellen, als an Weihnachten über den günstigsten Zeitpunkt für eine Abtreibung nachzudenken, aber schließlich konnte ich Weihnachten sowieso nie ausstehen.“

„Das Dumme war, dass niemand daran gedacht hatte, den Weihnachtsmann zu warnen. Das Kreisen der Flügel über seinem Kopf wurde langsamer, und er wartete nicht auf die Leiter, sondern sprang, den großen Sack über der Schulter, auf den Boden. Die Flügel über seinem Kopf schnitten wie eine Sense durch die Luft, und Hunderte von Kindern kreischten vor Vergnügen über seine Landung. Vielleicht gab es auf der Rückseite des Hubschraubers Sonderbeifall, oder aber er hatte das Gefühlt, dass die Kinder dort ihn nicht richtig sehen könnten. Jedenfalls ging er um die Maschine herum, um sich dort zu zeigen. Aber er hatte völlig vergessen – falls er es je gewusst hatte -, dass ein Hubschrauber nicht nur oben einen Propeller hat, sondern auch hinten, und in den marschierte er prompt hinein. Die Propellerblätter erfassten seinen Körper und beförderten ihn in einer Art gewaltsamem Tanz den Weg zurück, den er gekommen war, sein Kopf wurde sofort abgesäbelt, durch die Luft gewirbelt, mitsamt dem weißen abnehmbaren Bart und allem, und landete ein paar Schritte weiter, mit offenen Augen und erstauntem Blick, eher der Körper seinen Tanz zu Ende getaumelt hatte.“

Persönliche Bewertung

Mehr oder weniger spannende Weihnachtsgeschichten voll schwarzen Humors

3 von 5

Bei allem Weihnachtszauber, den vor allem Kinder, aber auch der eine oder andere Erwachsene im Dezember noch verspürt – manch einem gehen die (zum Teil erzwungene) Harmonie, die Weihnachtschöre, die Engel und Weihnachtsmänner überall und der Rummel allgemein auf die Nerven. Genau für solche Menschen ist dieses Buch: Für alle, die lieber von problematischen Weihnachtsfesten, von Ehebruch, von Familienproblemen, Mord und psychischen Problemen lesen, weil diese der Realität vielleicht etwas näher kommen. Das Buch sammelt Geschichten großer Namen wie Graham Greene, Elke Heidenreich, Stephen King, Christine Nöstlinger, Heinrich Böll oder Daphne Du Maurier. Trotz dieser bekannten Autoren muten einige Geschichten eher langweilig an, andere sind spannend, wirken aber als alleinstehende Geschichte etwas verloren und wenig abgeschlossen.

Fazit

Ein Gesamtfazit fällt schwer, denn so unterschiedlich die Autoren, so vielfältig sind auch Anspruch, Schreibstil und Spannung der einzelnen Geschichten. Eine kurzweilige Lektüre für zwischendurch, für Weihnachtsmuffel und Zyniker, in der jedoch einige Geschichten enttäuschen.

ISBN10
3423202122
ISBN13
9783423202121
Dt. Erstveröffentlichung
1993
Taschenbuchausgabe
176 Seiten