Friedhof der Kuscheltiere

Autoren
Übersetzer
Christel Wiemken
Verlag
Heyne Verlag

Zusammenfassung zu “Friedhof der Kuscheltiere”

Der Horrorroman „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King, im Original 1983 erschienen, ist nur eines von unzähligen Werken des berühmten Schriftstellers, muss jedoch aufgrund seiner atemlosen Spannung und finsteren Progression den Vergleich mit Kings anderen Erfolgswerken wie etwa „The Stand“, „Es“ oder „Der dunkle Turm“ keinesfalls scheuen. Die Geschichte von „Friedhof der Kuscheltiere“ spielt, wie in vielen anderen Büchern von King, im US-Bundesstaat Maine, der Heimat des Schriftstellers. Sie beginnt mit dem Umzug des Arztes Louis Creed, seiner Frau Rachel, seiner kleinen Tochter Ellie und seines einjährigen Sohnes Gage in ein kleines Haus, abgelegen an einer Landstraße unweit der Universität von Bangor in Maine gelegen, wo er eine Anstellung gefunden hat. Außerdem besitzt die Familie einen schwarzen Kater namens Churchill. Es scheint das Leben in einer Idylle zu sein, in einem eigenen Haus, das vom Grün der endlosen Wälder Maines umgeben ist. Die Creeds freunden sich im Laufe der Zeit mit Jud Crandall, ihrem Nachbar auf der anderen Seite der Straße an. Jud ist ein alter Mann, der die Gegend gut kennt, und weiht die Familie eines Tages bei einem harmlosen Wanderausflug in das Geheimnis der Wälder ein: Tief in der Wildnis existiert ein Tierfriedhof, auf dem Haustiere begraben wurden. Doch unter vier Augen teilt Jud Louis mit, dass hinter dem Tierfriedhof eine alte Begräbnisstätte der Micmac-Indianer liegt. Und dass Haustiere, die dort begraben wurden, wiederkehrten. Verändert. Manchmal träge. Manchmal auch bösartig. Als Vernunftmensch lehnt der Arzt Louis solche Schauermärchen ab, bis er eines Nachts den von seiner Tochter so innig geliebten Kater Churchill totgefahren auf der Landstraße vorfindet. Da seine Frau und Kinder zufällig verreist sind, beschließt er, Ellie den Schmerz zu ersparen und den Kater hinter dem Tierfriedhof zu begraben. Tatsächlich kehrt Churchill zurück. Die heile Welt der Creeds scheint intakt zu bleiben, bis ein enges Familienmitglied selbst bei einem Unfall stirbt. Nun gibt es für den trauernden Arzt nur noch eine Frage: Was passiert, wenn man keinen tierischen Kadaver, sondern eine menschliche Leiche auf der mystischen Stätte beerdigt?

Wichtige Charaktere

  • Louis Creed, Arzt und Familienvater
  • Rachel Creed, Louis‘ Frau
  • Ellie Creed, Louis‘ sechsjährige Tochter
  • Gage Creed, Louis‘ einjähriger Sohn
  • Jud Crandall, Rentner und Nachbar der Creeds
  • Norma Crandall, Juds Frau
  • Churchill, kurz „Church“, Kater der Familie Creed

Interpretation

In „Friedhof der Kuscheltiere“ geht es um nicht weniger als die dunkle Kunst der Nekromantie, also die Wiederbelebung und Beschwörung von Toten, seien es Menschen oder Tiere. Wie in vielen Schauergeschichten wird davor gewarnt, dass es böse Folgen hat, wenn man den Tod austricksen will. Soll heißen, dass die Wiederbelebten niemals wieder so sein werden wie früher, wie es in diesem Roman auf die zurückgekehrten Haustiere zutrifft. Totenbeschwörung zählt in allen Kulturen als dunkle Magie, die zwar dem Ausübenden einen kurzfristigen Vorteil verschaffen, auf lange Sicht aber nur Böses anrichten kann. Manchmal richtet sie auch nur und sofort Unheil an. Egal, wie viel Kummer und Leid der Tod eines geliebten Angehörigen auch verursachen mag, besser ist es doch, die Toten ruhen zu lassen und nach vorne zu blicken, anstatt krampfhaft an ihnen festzuhalten. Auch wenn die Wiederauferstehung von Toten auf der Indianerstätte nur in Kings Roman funktionieren mag, so ist doch festzuhalten, dass zwischen Leben und Tod eine Einweg-Barriere existiert, die stets nur vom Leben in den Tod führt. Und jeder Versuch, diesen Umstand umzukehren, dieses eiserne Naturgesetz derart zu pervertieren, wird nur die allerschrecklichsten Folgen haben.

Zitate

„‘Ellie’, sagte er und wiegte sie. ‘Ellie. Ellie, Church ist doch nicht tot; er liegt dort drüben und schläft.’ ‘Aber er könnte tot sein’, schluchzte sie. ‘Er könnte sterben, jederzeit.’“

„An Churchs Maul klebte getrocknetes Blut, und an seinen langen Schnurrhaaren hingegen zwei winzige Fetzen von grünem Kunststoff. Fetzen vom Müllbeutel.“

„Lester Morgan begrub seinen Preisbullen dort oben. (…) Der Bulle war bösartig geworden, regelrecht bösartig.“

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Persönliche Bewertung

Beklemmend-verstörendes Gruselerlebnis, das den Leser immer mehr in den Bann einer Familientragödie hineinzieht

5 von 5

„Friedhof der Kuscheltiere“ mag nicht zu den ganz großen, epischen Mammutwerken Stephen Kings wie „The Stand“ oder die Dunkle-Turm-Reihe zählen. Und dennoch zählt dieser Roman mit zum Besten und Spannendsten, was der Schriftsteller im Laufe seiner Karriere aufzubieten hat. Der Spannungsbogen der Geschichte wird sehr behutsam aufgebaut, in den ersten Kapiteln geht es um nicht viel mehr als die heile Familienidylle, bevor dann mit jedem neuen Ereignis die Katastrophe der Creeds ständig gesteigert wird. Dabei schreibt King kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste, soll heißen, dass sehr zentrale Protagonisten im Laufe der Handlung ihr Leben verlieren. So sollte es auch sein in der Handlung eines Horrorromans, denn nur wenn sich die Leser erst mit der Familie so gut es geht identifizieren können, wird ihnen das Grauen auch umso greifbarer, wenn eben jene Familie von den schwarzen Mächten, die den Tierfriedhof umgeben, zerrissen wird. Auch die Darstellung von Gewalt und Verstümmelung ist, ganz typisch für King, sehr grafisch. Als Kritikpunkt mag man einwerfen, dass der Roman von zahlreichen erzählerischen Abschweifungen geprägt ist, die Hintergründe in den Biografien der einzelnen Charaktere genauer beleuchten, wie etwa die Geschichte von Rachels kranker Schwester Zelda, oder Louis‘ Zukunftsträume bezüglich seines Sohnes. Doch diese Exkursionen sind nicht nur sehr professionell in die Erzählung integriert worden, sie helfen dem Leser auch spürbar, die Motive und die Gemütszustände der Figuren nachvollziehen zu können. Umso intensiver wird dadurch das Leseerlebnis gegen Ende des Romans. Mit „Friedhof der Kuscheltiere“ bietet King einen gruseligen, unterhaltsamen Horroroman, der sich sehr leicht liest und genau das richtige ist, wenn man in ein paar einsamen, freien Stunden ein Buch verschlingen will. So etwas wie großen literarischen Tiefgang oder eine bedeutsame moralische Botschaft mit erhobenem Zeigefinger gibt es allerdings nicht. Bei „Friedhof der Kuscheltiere“ geht es ganz vorrangig um die Horrorunterhaltung, so wie man von Stephen King auch nichts anderes erwartet.

Fazit

Beklemmend-verstörendes Gruselerlebnis, das den Leser immer mehr in den Bann einer Familientragödie hineinzieht, in der das Böse höchstselbst die Fäden zu ziehen scheint. Der einfache, aber direkte Sprachstil von King trägt zu einem sehr guten Lesefluss bei, der einige erzählerische Längen und Abschweifungen mehr als nur kompensiert. Ein Muss für alle Fans von Horror sowie von Kings Werken, am besten alleine zu lesen.

Originaltitel
Pet Sematary
ISBN10
3453435796
ISBN13
9783453435797
Dt. Erstveröffentlichung
1985
Taschenbuchausgabe
608 Seiten

Eine Antwort zu
Friedhof der Kuscheltiere

  1. Eisterer Michael

    Blo­ßer Hor­ror­scho­cker oder ‚ernst­zu­neh­men­de Literatur‘?

    Der span­nen­de Roman ist durch­aus hin­ter­grün­dig… Er beschäf­tigt sich mit der Fra­ge des Todes und des Los­las­sen-Kön­nens gelieb­ter Men­schen. Jedes Lebe­we­sen ist mit dem Tod kon­fron­tiert und uns Men­schen brei­tet die­se Tat­sa­che gro­ße Pro­ble­me. Wir ste­hen im Ange­sicht des Todes vor einem gäh­nen­den Abgrund und kön­nen nur hilf- und rat­los hin­ein­star­ren, ohne eine Ant­wort auf unse­re Fra­gen zu bekom­men. Wohin gehen wir? Was pas­siert nach dem Tod? Wie über­steht man das Feh­len eines gelieb­ten Menschen? 

    Der Tod reißt erbar­mungs­los Wun­den. Er bedeu­tet Abschied­neh­men, ein Abschied­neh­men, das jeder Mensch frü­her oder spä­ter erler­nen muss, und genau die­ses Abschied­neh­men fällt den Prot­ago­nis­ten des King- Romans so schwer. 

    Sie wer­den mit dem Tod nicht fer­tig. Das Begra­ben der Toten auf dem ‚Fried­hof der Wie­der­kehr‘ ist ein Bild für das Nicht-los­las­sen-Kön­nen und die unheil­brin­gen­den Wie­der­gän­ger illus­trie­ren, was pas­siert, wenn man sich mit dem Tod nicht arran­gie­ren kann. Man wir ver­letzt und ver­nich­tet wer­den, natür­lich nicht von Zom­bies, son­dern von Trau­er, Schmerz, Wut und Angst. Der Roman kann uns also zei­gen, dass es wich­tig ist, sei­ne Toten begra­ben zu ler­nen und sich mit der Tat­sa­che anzu­freun­den, dass sie nicht mehr wie­der­kom­men wer­den, zumin­dest nicht auf die­se, unse­re Welt. Wer es nicht schafft mit die­ser Tat­sa­che zu leben, wird kein glück­li­cher Mensch blei­ben können.