No place, no home

Autoren
Übersetzer
Katarina Ganslandt
Verlag
Ravensburger Buchverlag

Zusammenfassung zu “No place, no home”

Dan ist nicht nur ein ganz normaler Jugendlicher, sondern auch ein erfolgreicher Baseballstar an seiner Schule mit einer hübschen beliebten Freundin. In einem Punkt unterscheidet er sich jedoch von seiner reichen Freundin Talia und seinem wohlhabenden besten Freund Noah: Seine Eltern sind schon seit längerer Zeit arbeitslos, ohne Aussicht auf eine neue gutbezahlte Festanstellung. Als sie den Kredit für ihr Haus nicht mehr bezahlen können, verlieren sie ihr Zuhause und ziehen bei Dans Onkel ein. Als das Zusammenleben jedoch nicht klappt, muss die Familie nach „Dignityville“ ziehen, in eine Zeltstadt, die von der Stadt für obdachlose Menschen eingerichtet wurde. Dan schämt sich, denn das „Lager“ und seine Bewohner genießen keinen guten Ruf in der Gesellschaft. Und richtig: Sobald es sich herumgesprochen hat, dass der Baseballstar ein Obdachloser geworden ist, muss sich Dan den Anfeindungen und Vorurteilen stellen.

Doch es kommt noch schlimmer: Der Bruder seiner Mitschülerin Meg, mit der sich Dan angesichts des gemeinsamen Schicksals in Dignityville angefreundet hat, wird auf einem Parkplatz überfallen und lebensgefährlich verletzt. Da bei dem Überfall das Wort „Dignityville“ fällt, ist klar, dass Aubrey kein zufälliges Opfer ist. Die Chancen auf eine Aufklärung stehen jedoch schlecht, denn auch die Polizei ist von Kürzungen betroffen und kann nur einen Bruchteil der Haftbefehle ausführen. Und so macht sich Dan selbst auf die Suche nach den Tätern und stellt bald fest, wie eng das Verbrechen mit seinem persönlichen Umfeld verknüpft ist…

Wichtige Charaktere

  • Dan Halprin
  • seine Eltern
  • seine Freundin Talia Purcellen
  • sein bester Freund Noah Williams
  • Meg Fine
  • Megs Bruder Aubrey
  • Detective French
  • Onkel Ron, Tante Julie und ihre Kinder Alicia, Ike und Mike
  • Noahs Freundin Tory Sanchez

Zitate

„Es gongte. Meg hob die Hand, drehte sich um und ging davon. Und plötzlich fühlte ich mich an dieser Schule, an der ich so viele Leute kannte, seltsam allein.“

„Wenn ich es nicht selbst miterlebt hätte, hätte ich wahrscheinlich nie geglaubt, dass man sein Glück finden kann, indem man einen hoch bezahlten Bürojob verliert und mehr oder weniger gezwungen ist, etwas zu machen, das körperlich anstrengend ist und praktisch kein Geld bringt.“

„Wir blicken zu dem orangerot leuchtenden Herbstmond auf, und ich muss wieder daran denken, wie verrückt das alles ist. Den größten Teil unseres bisherigen Lebens haben wir damit verbracht, in die Schule zu gehen, uns mit unseren Freunden zu treffen und Spaß zu haben. Wir haben wie in einem schützenden Kokon gelebt, in dem all das, was draußen in der Welt passierte, keine Bedeutung für uns hatte. Aber die Welt ‚draußen‘ verändert sich … Unternehmen gehen pleite oder verlegen ihre Produktionsstätten in Billiglohnländer, die Regierung gibt zu viel Geld aus, um Kriege zu führen, und muss deswegen die Ausgaben für soziale Projekte kürzen, Eltern werden arbeitslos, Familien verlieren ihre Häuser, Menschen können ihre Arztrechnungen nicht mehr bezahlen. Und ehe man begreift, was los ist, stellt man plötzlich fest, dass der schützende Kokon aufgerissen ist. Auf einmal lebt man in einem Zelt und setzt sich in Cafés mit kostenlosem WLAN, damit man seine Hausaufgaben machen kann.
Zuerst denkt man: ‚Das darf nicht sein!‘
Bis einem dann allmählich dämmert, dass es ‚Das darf nicht sein‘ nicht gibt.“
Nur: ‚Es ist, wie es ist.'“

Morton Rhue über „No place, no home“

Persönliche Bewertung

Ein ganz normaler beliebter amerikanischer Jugendlicher wird zum Ausgestoßenen.

4 von 5

Tod Strasser alias Morton Rhue dürfte den meisten Lesern durch seinen internationalen Bestseller „Die Welle“ bekannt sein. In dessen Tradition hat er zahlreiche Jugendromane zu gesellschaftlich relevanten Themen veröffentlicht, die auf soziale Probleme hinweisen und ihre jungen Leser zum Nachdenken anregen sollen. So auch „No Place, No Home“, das angesichts von Schlagzeilen über die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA und die Eurokrise aktueller denn je scheint.

Als Hauptfigur wählt Rhue eine typisch amerikanische Kulisse, die Leser hierzulande möglicherweise an Collegefilme aus den USA erinnert. Baseball, die recht oberflächlich dargestellte Beziehung zur hübschen beliebten Freundin, die Freundschaften – eine idyllische Kulisse, in deren Kontrast die Obdachlosigkeit und die finanzielle Situation von Dans Familie umso krasser wirkt. Dan selbst reflektiert seine Situation bedingt, entwickelt sich aber zumindest angesichts seiner neuen Lage vom unbedarften Baseballstar zum nachdenklichen hilfsbereiten Jugendlichen, der sich über die Gesellschaft und seine Beziehungen Gedanken macht – typischerweise erst dann, als er selbst davon betroffen ist.

Die Suche nach den Tätern, dem Informanten und dem Drahtzieher gestaltet sich zunächst spannungsvoll, später werden jedoch (bewusst?) offensichtliche Hinweise gegeben, sodass die Offenbarung der Namen keine große Überraschung darstellt. Auch hätte man sich in einigen Aspekten eine kritischere zeitgemäßere Auseinandersetzung des Autors mit verschiedenen Themen gewünscht – die er zwar authentisch aus Sicht Dans beschreibt, die aber dennoch nicht zu einem aufgeschlossenen klischeefreien Weltbild der Leser und Leserinnen beitragen. Beispiele hierfür sind unkritische Bemerkungen zum Thema Veganismus (tierische Proteine seien für Sportler notwendig – ein längst widerlegtes Vorurteil) oder aber klischeehafte Ansichten zu Geschlechterrollen (männliche Wesen mit „Selbstachtung“ würden sich keine Beziehungs-Problemfilme ansehen).

Positiv ist dagegen, dass Morton Rhue darauf hinweist, dass das Problem der Armut nicht nur eines der privilegierten Länder ist, sondern die Zustände in Billiglohnländern noch deutlich erschreckender sind – Wohlstand im Westen auf Kosten der Arbeiter in Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ – die Schlagzeilen aus Bangladesh hierzu düften den meisten inzwischen bekannt sein. Interessant ist auch die andere Seite der Situation, die Reaktion von Dans Mutter, der die Krise und ihre Arbeitslosigkeit endlich die Möglichkeit gibt, das zu tun, was sie gern macht, und die sich weit besser in die Situation hineinfindet als Dan und sein Vater.

Fazit

Mit „No Place, No Home“ greift Rhue ein wichtiges Thema auf, über das sich sicherliche viele Jugendliche (die bekanntlich wenig Interesse für Politik und Weltwirtschaft zeigen) kaum Gedanken machen. Durch die Hauptfigur eines normalen beliebten Jugendlichen zeigt der Autor, wie das Unglück jeden treffen kann und wie ungerecht die Vorurteile gegenüber schlechter bemittelten Menschen sind. Ein Buch, das hoffentlich zum Nachdenken anregt, man sich stellenweise jedoch tiefgründiger gewünscht hätte.

ISBN10
3473401005
ISBN13
9783473401000
Dt. Erstveröffentlichung
2013
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 14 Jahren