Kenny und der Drache

Autoren
Illustrator
Tony DiTerlizzi
Übersetzer
Anne Brauner
Verlag
cbj Verlag

Zusammenfassung zu “Kenny und der Drache”

Eines Abends, kurz bevor sich die Kaninchenfamilie zum Abendessen zusammensetzt, stürmt Kennys Vater nach Hause und erzählt seiner Frau und seinem Sohn, er hätte einen Drachen gesehen. Im Gegensatz zu seinem Vater fürchtet sich Kenny nicht, denn er glaubt sich durch seine vielen Bücher ausreichend auf die Begegnung vorbereitet. Der Drache stellt sich jedoch als echte Überraschung heraus, die vollkommen von der Beschreibung in Kennys Tierbuch abweicht. Das riesige schuppige Tier heißt Grahame, liebt Bücher und gutes Essen, schreibt Gedichte und hat in seinem Leben noch niemanden getötet. Kenny und Grahame freunden sich an, und sogar Kennys Eltern überwinden ihre erste Skepsis und Furcht und laden den Drachen regelmäßig zum Abendessen in den Kaninchenbau ein, an dem zumindest sein Kopf teilnehmen kann, wenn das Küchenfenster geöffnet wird.

Doch mit ihrer Drachenfreundschaft stehen sie in Rundbach allein da. Als sich einmal herumgesprochen hat, dass ein Drache in der Nähe des Hügels gesehen wurde, ganz in der Nähe von Kennys Zuhause, schickt sogar der König ein offizielles Schreiben und beauftragt einen Ritter, den Drachen zu vernichten. Dieser Drachentöter ist ausgerechnet Kennys alter Freund Georg, der Besitzer der Buchhandlung, der für den Kampf seine alte Rüstung wieder hervorgeholt hat. Und auch die Bewohner von Rundbach sind aufgestachelt, es werden Wetten auf den Ausgang des Kampfes geschlossen, man freut sich auf das Ereignis. Wie soll es Kenny nur gelingen, Georg vom Kampf abzuhalten und wie soll er dafür sorgen, dass auch Grahame nichts geschieht und die Rundbacher ihn als denjenigen sehen, der er ist?

Wichtige Charaktere

  • Kenny
  • seine Eltern
  • der Drache Grahame
  • Kennys Freund Georg
  • Charlotte
  • Willi Waschbär
  • Dicki und sein Vater
  • der königliche Geschichtsschreiber als Erzähler

Zitate

„Als Kenny über die Hauptstraße von Rundbach stürmte, stieß er einen Wagen mit Drachenkelchen um, direkt neben einem Grüppchen, das sich mit einem Fass Bier laut amüsierte. Als er weiterhuschte, hörte er jemanden sagen: ‚Ich wette sieben zu eins, dass der Drache höchstens fünf Minuten braucht, um den alten Dachs zu flambieren. Den Grillabend werden wir nie vergessen!‘
‚Wäre es doch nur schon so weit!‘, sagte ein anderer. ‚Morgen geht es heiß zu auf dem Hügel. Ein echtes Feuerwerk!'“

„Kenny atmete geräuschvoll aus, als er mit seinem Vater zum Bauernhof zurückging. ‚Weißt du, mein Sohn‘, sagte Kennys Vater und legte eine Arm um ihn, ‚es gibt immer und überall eine Hackordnung. Du musst herausfinden, wer der Anführer ist, und den musst du dazu bringen, zu tun, was du willst. Der Rest der Herde läuft dann schon blökend hinterher.‘
Kenny sah zu seinem Vater auf. Im warmen Schein der Laterne sah er sehr weise aus, wie der Merlin aus der König-Artus-Geschichte. In diesem Augenblick begriff Kenny, dass wahre Weisheit aus echten Erfahrungen geschöpft wurde und nicht einfach nur aus Büchern.“

Links

Leseprobe (PDF) beim Verlag

Persönliche Bewertung

Märchenhaft illustrierte Freundschaftsgeschichte in bester Tradition von Kenneth Grahame

5 von 5

Die Namen der beiden Hauptcharaktere deuten es schon an, an welchen Schriftsteller sich diese Hommage von Tony DiTerlizzi richtet: Kenneth Grahame. Wer sich ein solches Vorbild setzt, muss mit Vergleichen rechnen, die Messlatte liegt angesichts eines solchen Klassikers wie „Wind in den Weiden“ entsprechend hoch. Wie gut, dass DiTerlizzy nicht nur ein umwerfender Illustrator, sondern ein ebenso talentierter Autor ist! Sein Zeichenstil erinnert mit seinem Detailreichtum und dem einzigartigen Charme seiner Charaktere an die Illustrationen von Eric Kincaid – einer der beliebtesten „Wind in den Weiden“-Illustratoren. Auch die Kulisse von Rundbach mit ihren verschiedenen tierischen Akteuren steht in Tradition von Grahames Wald- und Flussbewohnern. Besonders harmonisch und märchenhaft wirkt das Buch insgesamt durch das Cover mit Golddruck sowie durch die Farbe von Text und Illustrationen im Buch, die in einem dezenten dunklen Graubraun gehalten sind.

Doch „Kenny und der Drache“ ist nicht nur höchst unterhaltsam, der Autor spickt seine Geschichte gleichzeitig mit kleinen Weisheiten und lässt den einen oder anderen gesellschaftskritischen Ton durchklingen. Er zeigt auf, wie eine gesellschaftliche Hetzjagd funktioniert, wie Engstirnigkeit und Vorurteile (fast) ihre Opfer fordern, wie viele der Bewohner blind einem Anführer folgen. Doch glücklicherweise steht dieser unkritischen „Herde“ der Mut und die Freundschaft Kennys gegenüber, dessen Kreativität seinem Freund aus der bedrohlichen Situation hilft. Angesichts so mancher Spitzen, die sich auf die Menschen übertragen lassen, und tiefgründiger Dialoge verzeiht man dem Autor gern die eine oder andere unkritische Kleinigkeit wie die Tatsache, dass pflanzenfressende Kaninchen als Bauer andere Tiere (Schafe) halten oder die etwas klischeehafte Darstellung von Kennys Eltern mit pfeiferauchendem Vater und strickender Mutter.

Fazit

„Kenny und der Drache“ ist fast schon eine sehr lange Fabel, denn die Geschichte hält ihren menschlichen Lesern so manches Mal den Spiegel vor. Die traumhaften Illustrationen von Tony DiTerlizzy, eine ebenso fesselnde wie rührende Geschichte und die wunderbar von Anne Brauner übersetzte Sprache sorgen für beste Unterhaltung und ein Buch, das man nicht nur einmal lesen möchte!

Originaltitel
Kenny and the Dragon
ISBN10
3570138151
ISBN13
9783570138151
Dt. Erstveröffentlichung
2010
Gebundene Ausgabe
144 Seiten
Empfohlenes Lesealter
Ab 10 Jahren