Jugendstil

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Könemann Verlag

Zusammenfassung zu “Jugendstil”

Dieses gewichtige Werk der promovierten Kunsthistorikerin Gabriele Fahr-Becker startet schon in der Einleitung mit Überschriften wie „Kubus und Arabeske“, „Ornament-Organismen“ oder auch der Zeile „Die beseelte Natur – Synästhesie“. So schwergewichtig, wie es losgeht, wird das Thema Jugendstil auch weitergeführt. Als Orientierungsrahmen dienen der Autorin die Orte, an denen diese Stilrichtung stattfand. Zuerst geht die Reise in das Ursprungsland des Jugendstils, nach England, wo „Ruskin, Morris und die Präraffaeliten“ den Ton angaben, aber auch ein Oscar Wilde und ein Aubrey Vincent Beardsley die Tugend des Lasters vorführten. Nach einem Stop in „Glasgow“, wo es zu einer „Blütezeit der Raumkunst“ kam, führt die Reise nach in das Paris der Weltausstellungen und der Bourgeoisie, wo sich aber auch etliche Jugendstilkünstler tummelten, die vorgestellt werden, wie beispielsweise Henri de Toulouse-Lautrec, Alfons Maria Mucha oder auch Georges de Feure. Es folgen „Nancy und die Diktion der Pflanzen- und Tiermotive“, Belgien mit „Die neue Architektur“ und die Niederlande mit „Die abstrakte Linie und De Stijl“. Auch Italien und Rußland wagen den „Schritt in die Zukunft“. Nachdem in Barcelona „Architektur als Naturereignis“ zelebriert wurde, kommt die Autorin nach Deutschland und geht mit je einem Kapitel ausführlich auf die Facetten der Jugendstilkunst in München, Berlin und Darmstadt ein. Schauplatz des Jugendstil war auch Skandinavien; hier kommen Edvard Munch aus Norwegen und der Finne Akseli Gallen-Kallela zum Zuge. Auch in Übersee fand Jugendstil statt, hier galt jedoch die Devise „Forms follows function“. Der Leser kann „Tiffanys Leuchten als lichtdurchflutete Glasbilder“ erleben. Den Abschluss der Rundreise durch die Welt des Jugendstils bildet ein Stop in Wien, wo das „Finale eines Zeitalters“ nahezu zelebriert wird und mit dem Palais Stoclet ein Gesamtkunstwerk Jugendstil seiner Vollendung entgegenstrebt. Der Anhang dieses Werkes ist umfangreich, es finden sich Anmerkungen und Glossar, Bibliographische Hinweise und ein ausführliches Register. Die vielfältigen Abbildungen sind oft hochkarätig und mit ausführlichen Erläuterungen versehen.

Zitate

„Glanzzeit der Architektur – Brüssel um 1900 – …Im Jahre 1893 entstand die Maison Tassel von Horta, der erste reine Jugendstilbau des großen Architekten. Zeitgleich errichtete Paul Hankar in Brüssel sein eigenes Wohnhaus. so wurde quasi mit einem Paukenschlag die Epoche der „neuen Architektur“ in Belgien eröffnet.“

„Die Querverbindungen und auch Dissonanzen der künstlerischen Anstrengungen in Europa – ebenso in Amerika – um die Jahrhundertwende gehören zu den interessantesten Themen des Jugendstils. Eine Vielzahl der künstlerischen Erzeugnisse erscheint wie eine Enzyklopädie der decadence und des Symbolismus, in jedem Land in einer eigenen Handschrift. Dieser Symbolimus war eine sinnlich-verschwenderische, rauschhafte Kunst, deren Vertreter zwar kein Programm, wohl aber ein gemeinsames Lebensgefühl verband: die bis zur offenen Verachtung gesteigerte Abneigung gegen den fortschrittsgläubigen Positivismus der älteren Generation, deren massenpädagogischer Optimismus auf die Mittelmäßigkeit zusteuerte.“

Persönliche Bewertung

Möglicherweise ein unverzichtbares Grundlagenwerk, möglicherweise auch nur ein extrem schwergewichtiges Zwitterwesen, dass weder Nachschlagewerk noch Lesebuch ist.

3 von 5

Ein ausgesprochen schwergewichtiges Kunstbuch, das wohl mindest drei Kilogramm auf die Waage bringt! Aber auch inhaltlich wird hier alles andere als leichte Kost geboten. Zielgruppe des Buches können nur andere Kunstwissenschaftler sein, beziehungsweise all diejenigen, die eines ausführlichen Standardwerkes bedürfen. Selbst kleinste Details zum Thema Jugendstil dürften in diesem Buch verzeichnet sein, aber sie werden in schwer lesbarer Form und recht unübersichtlicher Gliederung vorgetragener. Wenn Detailversessenheit und Wissenschaftlichkeit sich mit Schöngeistigkeit paaren, kann das auch nach hinten losgehen, und man hat weder etwas zum Lesen noch etwas zum Nachschlagen in der Hand – sondern einfach nur einen schwergewichtigen Zwitter und weiß am Ende nicht, wohin damit. Sicher gibt es übersichtlichere Nachschlagewerke zum Thema Jugendstil und leichter lesbare Werke. Ob es ein Buch gibt, in dem mehr Details zu diesem Thema vorgetragen werden, vermag die Autorin nicht zu beurteilen.

Fazit: Möglicherweise ein Grundlagenwerk, oder auch nur ein extrem schwergewichtiges Zwitterwesen, dass weder ein richtiges Nachschlagewerk noch ein Lesebuch ist und am ehesten als eine bunt bebilderte, schöngeistig angehauchte, detailversessene Promotionsarbeit beschrieben werden kann.

ISBN10
3833155760
ISBN13
9783833155765
Dt. Erstveröffentlichung
2009
Gebundene Ausgabe
425 Seiten